Padogenien - Das Königreich der Bondagetten

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Padogenien - Das Königreich der Bondagetten – Beim Knebelmeister

Autor: Karl Kollar

Wieder einmal war Cathrin auf dem Weg zum Königlichen Knebelmacher, doch noch nie war sie so aufgeregt und nervös wie diesmal. Heute würde sie nicht vor dem Haus stehenbleiben und nur die Bilder ansehen, nein heute hatte sie dort einen Termin und sie freute sich schon wahnsinnig darauf, das ihr heute ihr eigener Knebel angemessen werden sollte. Ihr eigenes Kopfgeschirr mit einem Ball für den Mund. Wie oft hatte Cathrin davon geträumt, einmal einen Knebel tragen zu dürfen und jetzt sollte es Wirklichkeit werden.

Und es störte Cathrin auch überhaupt nicht, das diesmal ihre Mutter sie begleitete. Schließlich standen sie Hand in Hand, Cathrin war sehr dankbar darüber, vor der Tür des Knebelmachers und mit pochendem Herzen zog Cathrin an der Klingelschnur.

Nach kurzer Zeit waren leichte Schritte zu hören, die wohl nicht zum Knebelmacher gehörten. Richtig, es öffnete Patrizia, die Tochter des Knebelmachers, die vor einem Jahr von der Schule gegangen war. Patrizia war in der Schule sehr beliebt gewesen, eben weil ihr Vater der königliche Knebelmacher war, weil Patrizia schon viele Prinzessinnen mit Knebel gesehen hatte und nicht zuletzt, weil sie mal das Geschäft des Vaters übernehmen würde.

»Hallo Cathrin, ich habe schon von deinem Glück gehört. Kommt doch herein!« Patrizia führte sie durch den kleinen Flur links in einen Raum, der auf den ersten Blick aussah, wie ein ein ganz normales Wohnzimmer und bat die beiden, doch bitte Platz zu nehmen.

»Ich hole eben meinen Vater«, sagte Patrizia und verließ das Zimmer.

Cathrin hatte eine Werkstatt oder aber zumindest einen Verkaufstresen erwartet, doch es war ein ganz normales Wohnzimmer, in dem sie jetzt mit ihre Mutter saß und erst auf den zweiten Blick sah Cathrin, daß sie doch in dem Verkaufsraum des Königlichen Knebelmachers saß. Denn an den Wänden hingen lauter Gemälde mit stolzen, knebeltragenden Prinzessinnen und an der Straßenseite stand ein Sekretär mit einem durchaus ungewöhnlichen Inhalt. Cathrin lugte etwas genauer zu dem offenen Fach und entdeckte etwas, was ihr Herz höher schlagen ließ. Denn dort lagen in lauter unterschiedlichen Größen die Knebelkugeln, alle versehen mit einem Größenschild und feinen dünnen Riemen.

Cathrin war fasziniert und glücklich und sie fragte sich, wie viele Prinzessinnen wohl vor ihr hier schon gesessen haben und ihren Knebel bekommen sollten.

Schritte waren zu hören und Cathrins Herz klopfte noch lauter. Die Tür öffnete sich und der Vater von Patrizia, der Knebelmeister, trat in das Zimmer.

Er begrüßte kurz die beiden Damen und dann wandte er sich einem Stapel Pergamenten zu. Er nahm sich den Auftrag für Cathrin zur Hand und schaute ihn sich an.

»Siehst Du«, er wandte sich an seine Tochter, »es ist nur ein schwarzer Knebel, ich habe Dir doch gesagt, sie ist nur ein ...«

»Vater !« unterbrach Patrizia den Redefluß ihres Vaters und hinderte ihn so daran, ein häßliches Wort auszusprechen.

Der Vater wurde noch wütender, »das muß ich mir nicht antun, daß kannst Du auch machen.« Er schmiß die Pergamentrolle zu Boden und ging schnellen Schrittes zur Tür. Er drehte sich noch einmal kurz um »Und denk dran, nur den schwarzen Knebel.«

Dann fiel die Tür ins Schloß und nur langsam verging die schlechte Stimmung in dem Raum. Patrizia wandte sich an Cathrin und fragte sie mit mit netter Stimme: »Freust Du Dich schon ?«

Cathrin war noch sehr eingeschüchtert durch den Auftritt des Knebelmeisters und nur langsam faßte sie Vertrauen zu Patrizia.

»Ja sehr« und sie war sehr froh, daß ihre Mutter ihre Hand hielt.

»Stell Dir vor, der Königliche Rat hat meine Ausbildung zur Knebelmeisterin genehmigt und in zwei Jahren darf ich die Meisterprüfung ablegen.« Patrizias Augen leuchteten und Cathrin freute sich mit ihr.

Dann schlug ihr Herz wieder höher, denn Patrizia hatte ein Gewirr von Lederriemen in der Hand und Cathrin ahnte, daß es das Testgeschirr war.

»Jetzt möchte ich Dir dies Geschirr anlegen, dann kann ich damit Deine Maße nehmen.« Cathrin spürte, wie immer mehr Riemen um ihren Kopf gelegt wurden und sie versuchte, ein Stöhnen zu unterdrücken. Dann kam Patrizia mit einem Maßband und übertrug die Maße in eine Tabelle.

»So, daß war schon mal das Geschirr.« Patrizias Stimme klang auch sehr begeistert. »Dies ist mein erster richtiger Knebel, den ich machen darf.«

Dann stand sie auf, ging zum Sekretär und kam mit vier Bällen zurück. Cathrin Herz schlug noch lauter, als sie die Bälle sah.

»Ich denke, Du kannst eine ’Sieben‘ tragen...« Cathrin wußte erst nicht, was Patrizia meinte, doch dann sah sie, daß die vier Bälle in ihrer Hand unterschiedliche Größen hatten. Und fast als ob sie es besonders spannend machen wollte, nahm sie ein Handtuch zur Hand und rieb die vier Bälle noch mal gründlich ab.

»Nun Cathrin, es ist soweit«, sprach sie dann und hielt Cathrin die Kugel vor den Mund.

Cathrins Hand zitterte und dankbar spürte sie das Streicheln ihrer Mutter, dann machte sie ihren Mund auf und Patrizia steckte ihr die siebener Kugel in den Mund. Cathrin schloß sofort ihre Lippen um die Kugel und Patrizia mußte leicht schnunzeln. »Na, Du hast aber auch nicht zum ersten Mal einen Knebel im Mund.«

Cathrin sah sie erschreckt an. Patrizia streichelte ihr zärtlich die Haare. »Keine Angst, ich bin verschwiegen. Dreh bitte mal deinen Kopf zum Fenster.«

Cathrin spürte wie Patrizia den Riemen des Knebels hinter ihrem Kopf fest zog.

»...und, sitzt er gut ?« fragte sie, stand auf und ging zum Sekretär.

Cathrin war von der Größe des Balles sehr angetan. Er war wirklich genau richtig, sie mußte ihren Mund nicht so weit aufmachen wie bei dem Knebel aus der Ausrüstungskammer und doch war er groß genug, das sie ihn deutlich spürte.

Als Patrizia zurück kam, hatte sie einen Spiegel in der Hand und gab ihn Cathrin, deren Hand deutlich zitterte, als sie den Spiegel dann vor ihr Gesicht hielt und sich ihren geknebelten Mund zum ersten Mal im Spiegel ansehen konnte.

Der Ball stand nur ein wenig zwischen ihren Zähnen hervor und es sah toll aus, wenn sie ihn mit ihren Lippen versuchte zu umschließen. Doch auch wenn sie sich anstrengte, konnte sie den Ball nicht verbergen, dafür war er dann doch zu groß.

»Ein blauer Ball würde Dir besser stehen, aber den darfst Du nicht haben.« Doch solche Details waren Cathrin egal.

Sicher, sie kannte die Knebelfarben, sie waren fest mit dem Adelsrang verknüpft. Rot war die Farbe der Königstöchter, nur sie hatten Anspruch auf einen roten Ball und rotes Geschirr. Und selbst wenn es erlaubt wäre, nur der König konnte sich rotes Leder leisten.

Grün war die Farbe des Hochadels und Blau war der niedere Adel. Und sollte es einmal vorkommen, das aufgrund irgendwelcher Fehltriite oder sonstiger Beweggründe einer Bürgerlichen ein Knebel erlaubt war, dann mußte es die Farbe Schwarz sein.

... und Cathrin freute sich sehr auf ihren schwarzen Knebel.

»Wie gefällt er Dir ?« Patrizias Frage riß sie aus ihren Gedanken. Sie wollte eigentlich »sehr gut« antworten, aber eben wegen dem Knebelball im Mund kamen nur ein paar Brummlaute heraus.

Jetzt mußten beide lächeln und Patrizia sagte »Naja Knebelsprechen kannst Du jedenfalls noch nicht. Die Prinzessinnen sind immer recht gut zu verstehen, wenn sie einen Knebel tragen.«

Sie probierten dann noch andere Knebelgrößen aus und Cathrin merkte schon, das sie um so leichter sprechen konnte, je kleiner der Ball war.

Doch letztendlich blieb es bei der Größe Sieben, die Cathrin dann am Schluß nochmal probierte.